Was KI wirklich kostet

Das Angebot liegt auf dem Tisch: 20 Euro pro Nutzer und Monat. Bei fünfzehn Mitarbeitern sind das 300 Euro, weniger als die monatliche Kaffeerechnung. Die Entscheidung scheint einfach. Drei Monate später sieht die Rechnung anders aus: Die Lizenzen laufen, aber kaum jemand nutzt sie. Die Dokumente, auf die das System zugreifen sollte, liegen verstreut in alten Ordnern. Und die eine Kollegin, die sich eingearbeitet hat, kommt vor lauter Rückfragen nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit.

Was ist passiert? Die Lizenz wurde mit den Gesamtkosten verwechselt. Das ist der häufigste Kalkulationsfehler bei der KI-Einführung, und er ist vermeidbar. Schauen wir uns an, woraus die Kosten wirklich bestehen.

Danke für das Bild: pramod-tiwari-unsplash

 

Die Lizenz ist der sichtbarste Posten, aber der kleinste

Was auf der Rechnung steht, ist schnell erklärt. Die gängigen KI-Assistenten für Unternehmen, etwa Microsoft Copilot, ChatGPT oder Claude in der Team-Variante, kosten derzeit rund 15 bis 30 Euro pro Nutzer und Monat. KI-Plattformen, die mehrere Modelle unter einer Oberfläche bündeln, liegen in einer ähnlichen Größenordnung. Wer KI auf eigenen Servern betreiben will, kalkuliert anders: Hier stehen Hardware, Einrichtung und Wartung im Vordergrund, dafür entfallen die monatlichen Gebühren pro Kopf.

Für ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, von denen die Hälfte mit KI arbeitet, bedeutet das: 150 bis 300 Euro im Monat, also 1.800 bis 3.600 Euro im Jahr. Das ist überschaubar. Und genau das ist die Falle: Weil dieser Posten so klar beziffert ist, wirkt er wie der ganze Preis. Ist er aber nicht.

 

Die Einführung kostet mehr als die Lizenz

KI ist kein Produkt, das man einkauft. Es ist ein System, das man aufbaut. Und der Aufbau hat seinen eigenen Preis, der je nach Ausgangslage sehr unterschiedlich ausfällt.

Der größte Block ist meist die Vorbereitung der eigenen Wissensbasis. KI kann nur mit dem arbeiten, was sie findet. Wenn Angebotsvorlagen, technische Dokumentationen und Projektwissen in Köpfen, verstreuten Ordnern und alten E-Mails stecken, muss dieses Wissen erst zugänglich gemacht werden. Das ist Arbeit, die Zeit kostet, intern oder mit externer Unterstützung.

Dazu kommen die Konfiguration der gewählten Umgebung, die Klärung der Datenschutzfragen (welche Daten dürfen das Haus verlassen, welche nicht), eine Pilotphase mit einer kleinen Gruppe und gegebenenfalls externe Begleitung. In Summe bewegt sich die Einführung eines ersten konkreten Anwendungsfalls, je nach Komplexität, meist im mittleren bis hohen vierstelligen oder unteren fünfstelligen Bereich. Eine reine Orientierungsphase mit Potenzialanalyse liegt darunter, häufig im niedrigen vierstelligen Bereich.

 

Der größte Posten steht auf keiner Rechnung

Die teuerste Ressource bei der KI-Einführung ist nicht Geld, sondern Zeit. Ihre Mitarbeiter müssen lernen, mit den neuen Werkzeugen zu arbeiten. Das ist keine Kür: Seit Februar 2025 verlangt der EU AI Act, dass Mitarbeiter, die mit KI arbeiten, entsprechend geschult sind. Eine pragmatische Basisschulung plus rollenspezifische Vertiefungen reicht für die meisten Mittelständler, aber sie braucht Stunden, die im Tagesgeschäft fehlen.

Dazu kommt die Person, die das Thema intern trägt. Jemand muss Fragen beantworten, Regeln durchsetzen, Erfahrungen sammeln und entscheiden, was ausgebaut wird und was nicht. Wer diese Rolle nicht benennt, zahlt trotzdem dafür, nur unkontrolliert: durch Wildwuchs an Tools, durch Frust im Team und durch Lizenzen, die niemand nutzt.

Diese Zeitkosten lassen sich nicht aus einem Prospekt ablesen, aber sie lassen sich planen. Wer vor dem Start weiß, wie viele Stunden Schulung, Pilotbetrieb und Betreuung realistisch anfallen, erlebt keine bösen Überraschungen.

 

KI läuft nicht von allein

KI-Systeme sind keine Anschaffung, sondern ein laufender Betrieb. Und dieser Betrieb ist mehr Arbeit, als die meisten Angebote vermuten lassen. Das Wissen muss aus den Köpfen der Mitarbeiter ins System, und es muss dort aktuell gehalten werden, sonst veralten die Antworten. Agenten und Abläufe wollen aufgebaut, getestet und gepflegt werden. Modelle und Anbieter entwickeln sich in hohem Tempo weiter, Preise und Konditionen ändern sich, und jemand muss am Ball bleiben, um zu beurteilen, was davon für das eigene Unternehmen relevant ist. Dazu kommen neue Mitarbeiter, die Einarbeitung brauchen.

Wie viel das in Stunden bedeutet, hängt davon ab, wie weit Sie KI treiben. In der Aufbauphase, wenn Wissensbasis und erste Anwendungsfälle entstehen, kann diese Rolle eine Person über Monate weitgehend auslasten. Im eingespielten Betrieb mit einem überschaubaren Setup wird daraus ein festes Zeitbudget pro Woche. Wer mehrere Anwendungsfälle, Agenten und Abteilungen betreut, ist schnell wieder bei einer ganzen Stelle. Entscheidend ist nicht die genaue Stundenzahl, sondern dass sie eingeplant ist, intern oder extern. Wer hier nichts vorsieht, hat in einem Jahr ein System, das in der Demo glänzte und im Alltag verstaubt.

 

Wie Sie realistisch kalkulieren

Die ehrliche Rechnung hat vier Zeilen, nicht eine.

  1. Lizenzen

  2. Einführung

  3. Arbeitszeit für Schulung und Begleitung

  4. laufender Betrieb

Wer alle vier kennt, kann die entscheidende Frage stellen: Was steht dem gegenüber?

Die Antwort ist konkreter, als viele denken. Wenn KI Ihrem Team pro Person nur 15 Minuten am Tag spart, etwa beim Vorbereiten von Angeboten, beim Durchsuchen technischer Dokumentation oder beim Sortieren der Mailflut, summiert sich das bei zehn aktiven Nutzern auf über 500 Stunden im Jahr. Rechnen Sie das gegen Ihre Gesamtkosten, nicht gegen die Lizenzgebühr, dann haben Sie eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Und noch etwas gehört zur ehrlichen Rechnung: Nicht jeder Anwendungsfall lohnt sich. Manche Ideen klingen gut und rechnen sich nie, weil der Aufwand für Datenaufbereitung und Pflege den Nutzen übersteigt. Das vorher zu wissen, ist keine verpasste Chance. Es ist gespartes Geld.

 

Der erste Schritt kostet ein Gespräch

Wenn Sie wissen wollen, was KI in Ihrem Unternehmen kosten würde, und was sie bringen müsste, damit sich die Investition trägt, fangen Sie nicht mit einem Angebot an, sondern mit Ihren Engpässen: Wo geht heute Zeit verloren? Welches Wissen ist schwer zugänglich? Daraus ergibt sich fast immer der erste sinnvolle Schritt, und der ist oft kleiner und günstiger, als man denkt.

Genau dabei unterstütze ich Unternehmen: mit einer ehrlichen Einschätzung der Kosten, ohne versteckte Folgekosten im Kleingedruckten, und mit einer klaren Empfehlung, ob und wo sich der Einstieg für Sie lohnt.

 
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Wohin gehen unsere Daten eigentlich? KI und Vertraulichkeit verständlich erklärt