Was kaufen wir da eigentlich? Was hinter KI wirklich steckt

Wenn ein mittelständisches Unternehmen eine neue Buchhaltungssoftware kauft, ist klar, was geliefert wird: ein Programm mit definierten Funktionen, einem Handbuch und einem Hersteller, der für Fehler geradesteht. Bei KI ist das anders. Wer heute „KI einführt“, kauft kein fertiges Produkt, auch wenn die Rechnung so aussieht. Und wer nicht versteht, was er da eigentlich erwirbt, kann weder den Preis bewerten noch das Risiko. Deshalb lohnt sich ein Blick hinter die Oberfläche.

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Im Kern: eine Maschine, die Sprache vorhersagt

Wenn heute von KI die Rede ist, sind in den allermeisten Fällen sogenannte Sprachmodelle gemeint, also die Technologie hinter ChatGPT, Claude, Copilot und Gemini. Und so beeindruckend die Ergebnisse wirken: Das Grundprinzip ist erstaunlich nüchtern.

Ein Sprachmodell ist ein statistisches System, das mit riesigen Mengen Text trainiert wurde: Bücher, Webseiten, Dokumentationen, Code. Aus diesem Training hat es ein Gespür dafür entwickelt, welches Wort mit welcher Wahrscheinlichkeit auf welches folgt. Wenn Sie eine Frage stellen, „weiß“ das Modell die Antwort nicht im menschlichen Sinn. Es berechnet, welche Wortfolge auf Ihre Frage am wahrscheinlichsten passt. Diese Wortfolgen sind oft verblüffend gut, weil das Modell aus Milliarden von Beispielen gelernt hat, wie Wissen sprachlich formuliert wird.

 

Drei Dinge folgen daraus, die für jede Kaufentscheidung relevant sind:

Erstens: Ein Sprachmodell ist keine Datenbank. Es hat keine Tabelle, in der Ihre Fakten sauber abgelegt sind. Es kann deshalb auch keine Garantie geben, dass eine Auskunft stimmt. Plausibel klingende, aber falsche Antworten (sogenannte Halluzinationen) sind kein Fehler, der irgendwann „weggepatcht“ wird, sondern eine Eigenschaft des Verfahrens. Sie lassen sich stark reduzieren, etwa indem das Modell auf Ihre echten Dokumente zugreift, aber nie vollständig ausschließen.

Zweitens: Das Modell kennt Ihr Unternehmen nicht. Es wurde mit öffentlich verfügbaren Texten trainiert, nicht mit Ihren Angeboten, Ihren Prozessen, Ihrem Erfahrungswissen. Alles, was die KI über Ihren Betrieb wissen soll, müssen Sie ihr zugänglich machen. Genau hier entscheidet sich in der Praxis, ob ein KI-Projekt Nutzen bringt oder enttäuscht.

Drittens: Das Modell ist eine Momentaufnahme. Das Training endet zu einem bestimmten Zeitpunkt. Was danach passiert, kennt das Modell nur, wenn es über zusätzliche Werkzeuge – etwa eine Websuche oder den Zugriff auf Ihre Systeme – aktuelle Informationen bekommt.

Übrigens: Für Bild- und Videogeneratoren gilt dasselbe Prinzip. Auch sie wurden mit riesigen Datenmengen trainiert, in diesem Fall mit Milliarden von Bildern statt mit Texten, und erzeugen, was statistisch zur Beschreibung passt. Die berühmten sechs Finger früher KI-Bilder sind nichts anderes als das visuelle Gegenstück zur Halluzination im Text. Für Unternehmen kommt hier eine Frage hinzu: Mit welchem Material wurde trainiert, und sind die Ergebnisse rechtlich sicher kommerziell nutzbar? Bei Bildern ist das ein echtes Auswahlkriterium.

 

Was Sie tatsächlich kaufen: drei Schichten

Wenn auf der Rechnung „KI-Lösung“ steht, verbergen sich dahinter in Wahrheit fast immer drei Schichten. Entscheidend ist zu wissen, für welche davon Sie eigentlich bezahlen.

Schicht 1: Das Modell selbst. Die großen Sprachmodelle werden von einer Handvoll Unternehmen entwickelt: OpenAI, Anthropic, Google, Meta und einige andere. Das Training kostet dreistellige Millionenbeträge und erfordert Rechenzentren, wie sie kein Mittelständler betreibt. Diese Schicht kaufen Sie nie als Eigentum. Sie mieten Zugang, ob pro Nutzer, pro Anfrage oder über ein Abo. Selbst „eigene“ KI-Lösungen basieren fast immer auf einem dieser Basismodelle, auch frei verfügbare Open-Source-Modelle stammen aus dieser Welt.

Schicht 2: Das Produkt drumherum. ChatGPT ist nicht das Modell, sondern eine Bedienoberfläche um ein Modell herum. Dasselbe gilt für Microsoft Copilot, für Branchenlösungen, für die meisten der über 5.000 KI-Tools am Markt. Diese Produkte verpacken ein Basismodell mit Oberfläche, Rechtevergabe, Anbindung an Ihre Systeme und vertraglichen Zusagen zum Datenschutz. Der Wert dieser Schicht liegt nicht in „mehr Intelligenz“, sondern in Integration und Verlässlichkeit. Wenn ein Anbieter Ihnen erzählt, seine KI sei „besser als ChatGPT“, lautet die richtige Rückfrage: Welches Basismodell steckt darunter, und was genau habt ihr darum herum gebaut?

Schicht 3: Ihr eigener Anteil. Die dritte Schicht steht auf keiner Rechnung, ist aber die entscheidende: Ihre Daten, Ihr strukturiertes Wissen, Ihre Prozesse und die Regeln, nach denen Ihr Team mit der KI arbeitet. Ein Sprachmodell kann nur mit dem arbeiten, was es findet. Liegt Ihr Wissen in Köpfen, verstreuten Ordnern und alten E-Mails, wird auch das teuerste Werkzeug enttäuschen. Diese Schicht kann Ihnen niemand verkaufen. Sie muss im Unternehmen aufgebaut werden.

Deshalb sage ich: KI ist kein Produkt, das man einkauft. Es ist ein System, das man baut und pflegt. Die ersten beiden Schichten mieten Sie. Die dritte gehört Ihnen, und sie bestimmt, ob sich die Miete lohnt.

 

Warum diese Unterscheidung bares Geld wert ist

Wer die drei Schichten kennt, bewertet Angebote anders und stellt im Verkaufsgespräch die unbequemen Fragen:

Sie erkennen, wofür Sie zahlen. Viele „KI-Lösungen“ sind ein Basismodell für wenige Euro pro Nutzer und Monat, verpackt in eine Oberfläche, die ein Vielfaches kostet. Das kann gerechtfertigt sein, wenn Integration, Datenschutzzusagen und Support den Aufpreis wert sind. Es kann aber auch schlicht Marge sein. Die Frage „Welches Modell nutzt ihr, und was leistet eure Schicht darüber?“ trennt beides in einer Minute.

Sie erkennen Abhängigkeiten. Wenn das Basismodell vom Anbieter gewechselt wird, sich verschlechtert oder im Preis steigt, trifft das Ihr Produkt, ohne dass Sie gefragt werden. Seriöse Anbieter legen offen, auf welchen Modellen sie aufbauen und wie sie mit Modellwechseln umgehen.

Sie erkennen, wo Ihre Daten hinfließen. Die Datenschutzfrage entscheidet sich nicht am Logo des Tools, sondern an der Architektur dahinter: Wo läuft das Modell? Werden Ihre Eingaben gespeichert oder für Training verwendet? Welche Verträge regeln das? Wer die Schichten kennt, weiß, wem er diese Fragen stellen muss.

Und Sie erkennen, warum Demos täuschen können. In der Vorführung glänzt jede KI, denn dort arbeitet sie mit vorbereiteten Beispielen. In Ihrem Betrieb arbeitet sie mit Schicht 3: Ihren echten, unordentlichen Daten. Eine KI, die nur in der Demo überzeugt, hilft niemandem.

 

Was das für Ihren nächsten Schritt bedeutet

Die gute Nachricht: Sie müssen kein Informatiker werden, um gute KI-Entscheidungen zu treffen. Es reicht, drei Dinge im Kopf zu behalten.

Ein Sprachmodell ist ein mächtiges Werkzeug für Sprache und Wissen, aber kein denkendes Wesen und keine fehlerfreie Auskunftei. Es braucht menschliche Qualitätskontrolle, besonders überall dort, wo Fehler teuer sind.

Was Sie kaufen, ist Zugang und Verpackung, nicht Intelligenz als Eigentum. Bewerten Sie Angebote danach, was die Verpackung wirklich leistet: Integration, Datenschutz, Verlässlichkeit.

Und das Wertvollste an Ihrem künftigen KI-System besitzen Sie längst: Ihr Wissen, Ihre Prozesse, Ihre Erfahrung. Die eigentliche Arbeit besteht darin, dieses Wissen so zu strukturieren, dass Menschen und Maschinen damit arbeiten können. Das ist weniger glamourös als jede Tool-Demo, aber es ist der Teil, der darüber entscheidet, ob KI bei Ihnen im Alltag funktioniert.

Wenn Sie herausfinden wollen, wie diese drei Schichten in Ihrem Unternehmen aussehen könnten: Genau dafür ist das kostenlose Erstgespräch da. Kein Pitch, kein Druck, nur Klarheit darüber, was Sie da eigentlich kaufen würden.


Florian Stürmer berät mittelständische Unternehmen zwischen Salzburg und München bei der Einführung von KI. Herstellerunabhängig, praxisnah und rechtssicher.

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